4.1

Kommentar

 

4.1 entstand als eine Art Fortsetzung eines Solostückes für Klavier aus dem Jahr 2011 und ist Teil eines vierteiligen Zyklus, dessen Gestalt sich in Besetzung, Dauer und Klang immer weiter ausdehnen soll. Die vier Stücke sollen dann nacheinander oder aber simultan gespielt werden können, aber auch als eigenständiges Stück funktionieren.

Drei Grundfragen haben mich besonders interessiert:

Disproportionalität in der Großform: Ist es möglich, durch eine plötzliche, sture Ausdehnung eines musikalischen Momentes in einem sehr disproportionalen Dauernverhältnis zum Rest des Stückes, die bisherige Form sozusagen ins Nichts aufzulösen und dadurch die Zeitwahrnehmung der Zuhörer*innen zu manipulieren?

Die Spannung zwischen objekthaften Gestalten und Gesten: Wie isoliert muss eine Keimzelle sein, damit sie funktionslos, als Objekt wahrgenommen wird? Wie geschieht eine Umdeutung in eine Geste, etwa durch eine rhetorische Zusammenbindung zweier Objekte oder durch historisch besetzte (Artikulations)-Topoi? Und: Kann eine Überinformation an Gestik nach völlig überzogener zeitlicher Streckung wieder als ein einziges Objekt wahrgenommen werden, die gestische Vorprägung so quasi neutralisiert werden?

Die Rolle des Klaviers als selbstklingendes Objekt: Die oben dargestellten formalen Überlegungen spiegeln sich direkt in der klanglichen Verwendung des Klaviers wieder: Im Verlauf des Stückes wandelt sich das Klavier mehr und mehr vom Impulsgeber zum Resonanzobjekt. Während des ganzen Stückes gibt es zudem immer eine latente Ebene von mitschwingender Resonanz, stellenweise ganz überdeckt, teilweise sehr deutlich, aber immer vorhanden. Mir war es wichtig, dem formal sehr zielgerichteten und „gestalteten“ horizontalen Verlauf eine Art Dauerzustand in der Vertikalen gegenüberzustellen. Man wird diesen Zustand stellenweise vielleicht kaum bemerken; wenn er aber am Ende des Stückes noch einmal kurz aufscheint, wird wahrnehmbar, dass er als eine Art zeitlicher Orgelpunkt durchgehend vorhanden gewesen sein könnte.

 

 

Aufführungen

 

UA 21.09.2013, Morat-Institut Freiburg // Ensemble Recherche

Martin Fahlenbock, Jaime Gonzalez, Shizuyo Oka, Jean-Pierre Collot

 

weitere Aufführungen:

  • Oktober 2014: Tonlagen-Festival Dresden // Ensemble Recherche
  • Oktober 2014: Next Generation-Konzert Donaueschinger Musiktage // Studierendenensemble MH Trossingen: Seung A Han, Elias Zuckschwerdt, Yukie Yamazaki, Sven-Thomas Kiebler (Leitung)
  • August 2016: Lucerne Festival Academy Composer Seminar Concert // Lucerne Festival Academy Alumni Ensemble: Maruta Staravoitava, Mike McGowan, Mariella Bachmann, Hazel Beh, Nicolás Agulló (Leitung)
  • Mai 2018: Inselfestival Hombroich // Ensemble Recherche

 

 

Presse

 

"Eigenwillig [...] und in seiner konsequenten Reduktion auf Einzelereignisse [...] überraschend."

Michelle Ziegler // Neue Zürcher Zeitung

 

 

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Noten

 

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