Verwaltung

Kommentar

 

Verwaltung beschäftigt sich mit dramaturgischen Situationen der Ausweglosigkeit. Schon seit längerem fasziniert mich die Vorstellung „musikalischer Sackgassen“ in der Gestaltung der Form. In mehreren Stücken habe ich versucht, die Unmöglichkeit, affirmative Dramaturgieprozesse heute ernsthaft gestalten zu wollen, bewusst zu künstlerisch intensivierten „Mangelerfahrungen“ auszuarbeiten. In diesem Stück wollte ich diese Arbeit ausweiten auf das konkret verwendete (Ton)material. In stetig fortentwickelten Varianten werden mikrotonal „verstimmte“ Akkorde, die gleichzeitig sowohl Assoziationen an „konsonante“, als auch an „dissonante“ Tonverhältnisse traditioneller Harmonik aufrufen sollen,  in verschiedene Stadien vermeintlicher dramaturgischer Fortentwicklung und Steigerung geführt, um jedoch fortwährend abzubrechen, in Wiederholungsschleifen zu geraten oder – in der Mitte des Stückes – in grelle Überzeichnung umgewidmet zu werden.                                                                                                               

Das Stück gibt sich gewissermaßen von Beginn an selbst auf und versucht, die Einsicht, in nur mehr von den Bedingungen der Kulturindustrie „verwalteten“ Dramaturgieprozessen- und strategien sich aufhalten zu können, in produktives künstlerisches Scheitern umzuwandeln. Potenziell klangvolle und eine Oberfläche vermeintlicher Stimmung transportierende Instrumente werden, etwa im Schlagwerk, immer gedämpft, können nicht klingen – Sinn- bzw. Hörbild für die nur mehr mögliche „Verwaltetheit“ ihrer potenziellen Wirkmacht.                                                                                                      

In den 1960er Jahren erschien der Text „Die Dinge“ von Georges Perec, in welchem jegliche Bedürfnisse und Lebensrealitäten der Protagonisten ausweglos von ökonomischen Zwängen und somit Wünschen bestimmt sind. Nur zufällig gleichzeitig zur Komposition habe ich den Text gelesen, worauf beim Komponieren eine merkwürdige Übertragung der ökonomischen Verhältnisse im Text auf die (nicht direkt politische) Materialebene des Stückes stattfand. Im Schlussteil wird eine Aufzählung einiger Alltagsgegenstände aus dem Text als Fremdzitat in die musikalische Textur integriert und mit diversen Selbstzitaten aus dem Verlauf des Stückes collagiert – eine (auch nur) verwaltete Kunstfertigkeit stellt sich endlich ein.

 

 

Hören

Aufführungen

 

UA 26.05.2017, Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf // Lange Nacht der Neuen Musik //

Mobile Beats Ensemble, Pablo Druker (Leitung)

 

 

 

 

 

 

Noten

 

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